Landschaftsentwicklungskonzept für das Val Cama

Für Jahrhunderte war das Val Cama mit zehn bewirtschafteten Alpen belebt. Die Wälder des Tales wurden noch vor 50 Jahren stark genutzt. Mittels Seilwinde wurden das Holz ins Tal befördert.

Das moderne Zeitalter führte zur grossflächigen Aufgabe der Alp- und Holzwirtschaft. Die halboffene Weidelandschaft verwaldete. Die traditionellen Alpgebäude und Fusswege wurden sich selbst überlassen.

Mit dem Landschaftsentwicklungskonzept möchten die Gemeinden Verdabbio und Cama diese Tendenz umkehren. Sie wollen das malerische Tal mit seinem Kulturgut bewahren, wiederaufwerten und dem sanften Touristen zugänglich machen.

Vom Konzept zur Umsetzung

Biologische Alpwirtschaft mit alten Tierrassen
Die Alp de Lagh am Cama Bergsee wurde nach mehreren Jahren der Verlassenheit im Jahr 2004 mit alten Nutztierrassen vom Erhaltungsprojekt ProSpecieRara (Schweizerische Stiftung für die kulturhistorische und genetische Vielfalt von Pflanzen und Tieren) wieder bestossen. Seit 2006 wird die Alp de Lagh als Bio-Alp betrieben.

Die alten Nutztierrassen wie Graue Gebirgsziegen (siehe Bild), Rätisches Grauvieh, Engadiner Schafe sind aufgrund ihrer Anspruchslosigkeit und Robustheit besonders gut für die extensiven und kargen Weiden des Val Cama geeignet. mehr

 

Erhalten, bewahren und wiederaufwerten der Landschaft
wasserfall
Im Landschaftsentwicklungskonzept wurde das Val Cama in Zonen eingeteilt. Es gibt Bereiche, die der natürlichen Entwicklung überlassen werden sollen und andere, in denen z. B. das halboffene Landschaftsbild durch Beweidung bewahrt und gepflegt wird.

 

Schaffung eines Waldreservates
Das Ziel ist erreicht: im Gebiet entsteht das bisher grösste Waldreservat der Schweiz. Es reicht von 450 m bis an die Baumgrenze von 2300 m und erstreckt sich über 1500 Hektaren. Das Waldreservat umfasst die drei Seitentäler Val Cama, Val Leggia und Val di Borat.

Allein im Val Cama wurden 24 verschiedene Waldgesellschaften gezählt. Unter anderen befindet sich am Taleingang, auf 800 m, die höchstgelegene Kastanienselve des Misox.

Im Waldreservat kann der Mensch in Zukunft beobachten, wie sich die Natur entwickelt, wenn er nicht eingreift... mehr

 

Traditionelle Bauten
Durch sanfte, angepasste Restaurierung soll der Zerfall der alten Alpgebäude gestoppt werden. Im Landschaftsentwicklungskonzept ist vorgesehen, dass ein Teil dieser Gebäude nach und nach renoviert werden und dann dem Wanderer als Schutzhütten offen stehen.

Ein Beispiel für den gelungenen Wiederaufbau ist die Alp d'Albion. Sie wurde Dank dem Einsatz der Gemeinde Verdabbio und vieler freiwilliger Helfer als besonders schöne und komfortable Unterkunft hergerichtet.

Bilder

 

Sanften Tourismus fördern
Das Landschaftsentwicklungskonzept möchte den sanften Wandertourismus im Val Cama fördern. Hierzu sollen Wanderwege verbessert und hergerichtet werden. In den höheren Lagen sollen dem Wanderer nicht bewirtschaftete Schutzhütten als Unterkunft dienen.

Die direkt am malerischen Cama Bergsee liegende Alp de Lagh soll hierbei ein besonderer Anziehungspunkt für Gross und Klein sein. Hier kann man nicht nur einiges über alte Nutztierrassen erfahren, sondern auch qualitativ hochwertige Nischenprodukte erwerben und verköstigen.

Nun liegen sogar die Ergebnisse einer Diplomarbeit vor, die sich mit Wandertourismus im Val Cama auseinandersetzt.

 

Wer steckt hinter diesem Konzept?

Sehr viele Menschen sind in das Projekt involviert. Der Erfolg dieses Konzepts liegt in der aussergewöhnlich guten Zusammenarbeit aller Beteiligten.

Leute
Die lokale Bevölkerung engagiert sich
Die lokale Bevölkerung wurde auf dem Laufenden gehalten und direkt in die Umsetzung des Projektes eingebunden. Viele Freiwillige leisten seit Jahren wertvolle Mitarbeit für den Aufbau von Infrastrukturen und der Renovierung der Alpgebäude.

Auch Arbeitsplätze werden geschaffen. So bietet das Projekt den Bau- und Handwerksfirmen der Region Arbeit.

Spezialisten werden eingebunden
Für das Konzept: Reto Giudicetti - Ingenieur- u. Vermessungsbüro, Roveredo; für das Waldreservat: Luca Plozza - Forstrevier Mittelbünden/Moesano, Roveredo; für das Alpnutzungskonzept: Franziska Andres - Büro Trifolium, Arogno; für die Beratung der traditionellen Gebäude: Lorenzo Custer - "Studi associati", Lugano.
Finanzielle Unterstützung
Nichts wäre möglich ohne die finanzielle Unterstützung von verschiedenen Projektpartnern und Stiftungen.
Ein herzliches Dankeschön geht an die Privatspender, Schweizer Patenschaft für Berggemeinden, Fonds Landschaft Schweiz (FLS), Schweizer Berghilfe, Pro Patria, Bundesamt für Kultur (BAK), Kantonale Denkmalpflege GR (DPG), Amt für Landwirtschaft und Geoinformation des Kantons Graubünden (ALG), Amt für Natur und Umwelt (ANU), Amt für Gemeinden des Kantons Graubünden, Gemeinde Thalwil, Gemeinde Cama, Sophie und Karl Binding Stiftung , Vontobel-Stiftung, Bio Suisse, Polti Alfredo SA, Pro Natura Grigioni.
Der Kopf
In diesem Projekt spielt das starke Engagemente des Gemeindepräsidenten von Verdabbio, Antonio Spadini, eine wichtige Rolle. Er hat es geschafft eine vielfältige Palette an Projektpartnern und Mitarbeitern so in das Projekt einzubinden, dass ein hoher Identifikationsgrad der einzelnen Beteiligten mit dem Projekt entstand.

 

Mehr Informationen zum Projekt hier oder direkt bei Cancelleria Gemeinde Verdabbio, 6538 Verdabbio, Tel. 091 827 3144.